banner.jpg
  • Martin Reith
  • Fachapotheker Allgemeinpharmazie
  •  
  • Hurststr. 14
  • 77836 Rheinmünster
  • Telefon: 07227/2001
  • Fax: 07227/8357
Anmelden | Registrieren
Drucken

Rotes (trockenes) Auge

Ein rotes Auge ist oft auch ein trockenes Auge. Eine zentrale Rolle spielen Bindehautentzündungen. Treten Augenschmerzen und Sehstörungen auf, so sind das Alarmzeichen


Rote Augen können trocken sein, brennen, tränen und jucken

Ein rotes Auge hat oft etwas Beunruhigendes an sich. Es ist ein vieldeutiges Symptom mit zahlreichen, manchmal tatsächlich schwerwiegenden Ursachen. Doch auch das gibt es: Ein Blutgefäß in der Bindehaut platzt, es zeigt sich ein roter Fleck. Der beängstigende Anblick täuscht: Meist sind solche Blutungen völlig harmlos. Nicht anders die kurze, manchmal durchaus heftige Reaktion des Auges auf ein eingefangenes Staubkorn oder winziges Insekt: Sobald die Tränen es herausgespült haben, lassen die Rötung und das Brennen nach.

Können spontane Verletzungen oder chemische, physikalische und mechanische Einflüsse als Ursachen eines roten Auges ausgeschlossen werden, treten Störungen wie das „trockene Auge“ und Entzündungen der Bindehaut oder tieferer Augenabschnitte bei der Suche nach dem Auslöser in den Vordergrund. Außerdem wird der Arzt Infektionen, Allergien und andere innere (meist immunologische) Erkrankungen berücksichtigen, die das Auge miterfassen. Im Allgemeinen zeigen sich dann aber noch weitere Krankheitszeichen.


Augenrötungen kommen in der Regel dadurch zustande, dass Blutgefäße der Bindehaut, oft auch der Lederhaut, erweitert sind und verstärkt durchblutet werden.
Die Bindehaut bedeckt als durchsichtige Schutzschicht das Vordere des Auges. Sie liegt über der Lederhaut. In der Mitte lässt sie die transparente Hornhaut frei. Am Rand schlägt sie auf die Innenseite der Augenlider über. Daher können die Augenlider bei Bindehautentzündungen anschwellen. Die Lederhaut gibt als feste Hülle dem Auge Halt.

Rötungen können plötzlich oder allmählich an einem oder beiden Augen auftreten. Im „Augenweiß“ oder am Lid sind sie für jeden leicht erkennbar. Ernstzunehmen sind Rötungen, die sich nicht kurzfristig wieder zurückbilden, sich verstärken oder mit weiteren deutlichen Beschwerden verbunden sind. So sollte man bei einem geröteten und juckenden Auge, das ständig zu Augenreiben verleitet, baldmöglich zum Augenarzt gehen. Das gilt auch, wenn die Augen tränen oder vermehrt lichtempfindlich sind, und allemal bei Augenschmerzen. Tut ein Auge „nur“ beim Berühren weh, bei leichtem Druck mit dem Finger oder wenn es sich bewegt, ist das trotzdem ein Warnsigmal.

Alarmierend sind auch starke oder eitrige Absonderungen, eine deutliche Lidschwellung, Sehstörungen oder begleitende Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Krankheitsgefühl. Die Beschwerden können einen Notfall anzeigen, zum Beispiel ein akutes Glaukom als spezielle Form des grünen Stars.


Die wichtigsten Ursachen des rotes Auges:

  • Blutung unter der Bindehaut (Hyposphagma)
  • trockenes Auge
  • Bindehautentzündung
  • Hornhautentzündung
  • Lidhaut- und Lidrandentzündung
  • Lederhautentzündung (Skleritis und Episkleritis)
  • Iritis / Iridozyklitis (vordere Uveitis)
  • Glaukomanfall


Nachfolgend weitere Informationen zu den genannten Augenkrankheiten.


Blutung unter der Bindehaut (Hyposphagma)

Ein solches, meist nur auf einem Auge auftretendes Ereignis ist in der Regel harmlos. Die Blutung bildet sich fast immer von selbst zurück.

Wenn ein Blutgefäß in der Bindehaut platzt, entsteht ein scharf begrenzter, roter Fleck. Das Auge ist reizlos, die Sicht unverändert. Solche Blutungen unter die Bindehaut kommen häufiger bei älteren Menschen vor. Allerdings kann auch ein erhöhter Pressdruck, zum Beispiel beim Niesen, Husten, bei Erbrechen oder einer natürlichen Entbindung auslösend sein. Manchmal wird ein Bluthochdruck festgestellt. Nicht zuletzt kann eine erhöhte Blutungsbereitschaft zugrundeliegen, zum Beispiel bei Behandlung mit Medikamenten, die die Blutgerinnung herabsetzen („Blutverdünnung“). In der Regel saugt sich das Blut nach ein bis zwei Wochen restlos auf. Wiederholen sich die Blutungen oder bildet sich der Fleck nicht zurück, sollte der Ursache jedoch nachgegangen werden.  

Trockenes Auge

Eines der häufigsten Augenprobleme ist das trockene und meist auch rote bis sehr rote Auge. Trockene Augen beruhen auf quantitativen oder qualitativen Störungen der Tränenbildung.

Vereinfacht spricht man von Benetzungsstörungen. Dahinter verbergen sich zahlreiche, meist chronische Krankheitsbilder. Die damit verbundene Austrocknung der Binde- und Hornhaut heißt Xerophthalmie.

Es gibt allerdings auch beeinflussbare äußere Faktoren. So können Bildschirmarbeit, Umweltbelastungen oder klimatische Faktoren, zum Beispiel niedrige Luftfeuchtigkeit oder der Gebrauch von Kontaktlinsen, eine Trockenheit der Augen begünstigen. Ebenso das Lebensalter, da die Tränenproduktion mit den Jahren nachlässt. Ein trockenes und rotes Auge kann auch eine paradoxe Reaktion bei unsachgemäßem Gebrauch sogenannter Weißmacher sein, die eigentlich die Rötung beheben sollen. Daher sollte man gefäßverengende wie überhaupt jegliche Augenpräparate grundsätzlich nur nach augenärztlicher Verordnung anwenden.

Manchmal behindern Narben der Bindehaut als Entzündungsfolge die Tränenabgabe aus den Drüsen. Erkrankungen der Talgdrüsen am Lidrand (Blepharitis, vgl. Lidschwellung) wirken sich insbesondere auf die Qualität des Tränenfilms aus. Ist die Fettkomponente gestört oder fehlend, beeinflusst das die „Dehnbarkeit“, der Tränenfilm reißt leichter und fließt zu schnell ab, das Auge wird nicht genügend benetzt. Formveränderungen des Augapfels, etwa eine krankhafte Vorwölbung wie beim Exophthalmus im Zuge der Basedow-Erkrankung, einer immunologischen Erkrankung der Schilddrüse und des Gewebes in der Augenhöhle, verursachen oft ein trockenes Auge, da das Tränenvolumen für die vergrößerte Oberfläche nicht ausreicht. Zugleich sind die Lider zurückgezogen, der Lidschluss ist unvollständig. Dies kann nicht nur bei der Basedow-Krankheit, sondern generell bei einer Schilddrüsenüberfunktion vorkommen.

Mitunter können auch Laserbehandlungen am Auge zu Trockenheit führen.

Einige durch Störungen des Immunsystems bedingte „Systemerkrankungen“ werden häufig im Zusammenhang mit trockenen Augen genannt. Systemerkrankungen richten sich gegen Grundstrukturen des Körpers, zum Beispiel Bindegewebe.

- Sjögren-Syndrom (Sicca-Syndrom): Dabei ist die Tränenproduktion beeinträchtigt. Das Sjögren-Syndrom kann sich als Störung des Tränen- und Speichelflusses mit trockenen Augen und einem trockenen Mund, aber ohne weitere körperliche Krankheitssymptome, zu erkennen geben. Es kann andererseits auch bei Autoimmunerkrankungen vorkommen. Hier bilden sich plötzlich Abwehrstoffe gegen körpereigenes Gewebe. Ein Beispiel ist das Sjögren-Syndrom, bei dem die Tränen- und Speicheldrüsen veröden. Darüber hinaus kommt es bei dieser Erkrankung zu weiteren Beschwerden, im Falle einer begleitenden rheumatoiden Arthritis beispielsweise zu Gelenkschwellungen und -schmerzen oder zu Rückenschmerzen, wenn die Wirbelgelenke betroffen sind. 

- Amyloidosen, Sarkoidosen: Auch diese Krankheiten betreffen unter anderem die Augen, hier insbesondere die Tränendrüsen. Mitunter erkranken die Regenbogenhaut und der Strahlenkörper (siehe unten, Iridozyklitis). Bei Amyloidosen lagern sich aus unbekannter oder immunologischer Ursache, mitunter auch im Zusammenhang mit chronisch entzündlichen Erkrankungen, pathologische Eiweißkörper (Amyloid) in verschiedenen Organen ab. Sarkoidosen sind chronische Erkrankungen, sogenannte granulomatöse Multi-Organerkrankungen. Sie befallen in erster Linie die Lungen und anderer innere Organe, die Lymphknoten und die Haut.

- Blasenbildende Erkrankungen der Haut, Schleimhaut, Augenbindehaut: Dabei handelt es sich teilweise um recht schwerwiegende, immunologisch bedingte Krankheitsbilder (bestimmte Arten von Pemphigus-Erkrankungen). Unter anderem kommt es zu deutlich roten und trockenen Augen.

Auch hormonelle Veränderungen (Wechseljahre), ein Diabetes und Strahlenbehandlungen am Kopf und im Gesicht können zur Austrocknung der Augenoberfläche führen.

Symptome: Trockene Augen sind fast unentwegt gerötet. Sie brennen, jucken, erzeugen ein unangenehmes Druck- oder Fremdkörpergefühl, so, als ob ein Sandkorn im Auge reibt. Die veränderte Zusammensetzung des Tränenfilms führt auf Dauer zu einer chronischen Binde- und Hornhautentzündung (Keratokonjunktivitis sicca). Daher kommt es auch oft zu Sehstörungen.

Diagnose: Der Augenarzt kann durch gründliche Untersuchung des Auges, insbesondere des vorderen Abschnittes mit der Spaltlampe, außerdem mittels verschiedener „Tränen-Tests“ oder eines Abstriches der Bindehaut und dessen mikrobiologischer Untersuchung die Diagnose stellen. Im Hinblick auf eine mögliche systemische Erkrankung ist es wichtig, dass er die Krankengeschichte eines Betroffenen kennt. Auch muss er wissen, welche Medikamente im Einzelfall verordnet wurden. Es können nämlich auch einige Arzneimittel, darunter sogenannte Betablocker oder Anti-Androgene (blockieren männliche Geschlechtshormone), ein trockenes Auge bewirken. Bei der genaueren Diagnostik ist oft eine enge Abstimmung mit einem Facharzt für innere Medizin (Internist), Rheumatologie oder andere Fachrichtungen notwendig.

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach dem zugrundeliegenden Problem. Hilfreich sind auf jeden Fall Tränenersatzmittel als Tropfen oder Gel, je nach biochemischem Defekt im Tränenfilm auch spezielle Augensprays. Manchmal wird der Augenarzt das Tränenpünktchen mechanisch verschließen, um die noch vorhandene Tränenflüssigkeit im Auge zurückzuhalten.

Bindehautentzündung (Konjunktivitis)

Entzündungen der äußersten, transparenten Schutzschicht des Auges gehören zu den häufigsten Augenerkrankungen überhaupt und machen ausgesprochen häufig rote Augen. Es gibt zahllose Ursachen.

Zu den wichtigsten Auslösern von Bindehautentzündungen gehören Infektionen durch Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten (infektiöse Konjunktivitis), Allergien, etwa die Pollenallergie (Heuschnupfen, allergischer Schnupfen). Fast sieben Prozent der Siebenjährigen haben einen allergisch bedingten Schnupfen mit Symptomen wie Nasenlaufen oder trockene Nase, Niesreiz, brennende, tränende und gerötete Augen. Unter den Jugendlichen sind doppelt so viele betroffen, Erwachsene noch häufiger. Ein anderes Thema sind Kontaktallergien. Auslöser im Augenbereich sind meist Kosmetika, Augencremes oder andere Augenpräparate. Bindehautentzündungen können außerdem bei rheumatischen Erkrankungen auftreten oder Folge von Lidfehlstellungen sowie unkorrigierten oder nicht richtig korrigierten Sehfehlern sein.

Bei infektiösen Bindehautentzündungen durch Viren, zum Beispiel Adenoviren (Keratokonjunktivitis epidemica) ist die Tränenflüssigkeit ausgesprochen ansteckend, sodass konsequente Hygienemaßnahmen notwendig sind (zum Beispiel nur eigene Handtücher, Hygieneartikel und Körperpflegemittel benutzen, Augengegend möglichst nicht berühren bzw. danach Hände gut waschen; Handtücher häufig reinigen, Desinfektion im Haushalt; Gegenstände, die mit den Augen in Kontakt kommen können, möglichst meiden; auf Besuche öffentlicher Badeanlagen verzichten, bis der Augenarzt Entwarnung gibt). Leider ist gegen diese lästige Augenerkrankung bislang noch kein Kraut gewachsen. Es gibt momentan nur eine Therapie mit verschiedenen Augentropfen, die Symptome wie Schmerzen oder Tränenfilmstörungen lindern.

Ebenfalls sehr infektiös sind Herpes simplex-Viren, zum Beispiel als Fieberblasen.
Bei einer „Gesichtsrose“ vom Typ Herpes zoster greift das Krankheitsgeschehen häufig auf die Bindehaut über, die sich daraufhin entzündet. Allerdings ist die „Rose“ also solche nicht ansteckend. Bei Kinderkrankheiten wie Masern und Mumps oder einer Infektion, die man aus einer wärmeren Klimazone mitgebracht hat (zum Beispiel durch Chikungunya- oder Coxsackie-Viren), reagieren auch die Bindehäute mit einer Entzündung. Vor allem aber treten weitere Symptome auf, darunter Fieber oder sehr hohes Fieber.

Als Bakterien, die gerne Bindehautentzündung verursachen, kommen vor allem Staphylokokken, Streptokokken, Pneumokokken, Hämophilus influenzae, Borrelien oder bestimmte Chlamydia-trachomatis-Arten („Einschlusskörperchenkonjunktivitis“) infrage. Solche Chlamydien werden sexuell, durch verunreinigtes Badewasser („Schwimmbadkonjunktivitis“) oder durch Kontakt mit infizierter Tränenflüssigkeit übertragen. Beim Mann kommt es zu einer Harnröhrenentzündung, die zu Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, oft auch zu eitrigem Ausfluss führt. Symptomlose Verläufe sind ebenfalls möglich. Eine der Folgen ist eine Immunreaktion, die mit rheumaartigen Gelenkbeschwerden, einer Bindehaut- oder Regenbogenhautentzündung und verschiedenen weiteren Symptomen einhergeht (Reiter-Syndrom). Bei Frauen verläuft die Chlamydien-Infektion überwiegend beschwerdearm oder völlig unbemerkt. Nur etwa bei der Hälfte der Betroffenen treten leichte Beschwerden beim Wasserlassen und geringer Ausfluss auf. Dies birgt das Risiko, dass die Infektion nicht erkannt bzw. nicht behandelt und chronisch wird. Wenn die Erreger im Geschlechtstrakt aufsteigen, können sie Entzündungen der Gebärmutter, Eileiter oder Eierstöcke verursachen. Mögliche Folgen sind spätere Bauchhöhlenschwangerschaften oder Unfruchtbarkeit. Inzwischen gibt es für Frauen bis zum Alter von 25 Jahren ein Chlamydien-Screening beim Gynäkologen. Es wird einmal jährlich anhand einer Urinuntersuchung durchgeführt. 

Bindehautentzündungen durch Pilze und Parasiten sind in unseren Breiten eher selten. Mitunter können sie durch Behandlungen mit Kortison oder Antibiotika begünstigt werden.

Auch entzündliche (autoimmune) Systemerkrankungen des Bindegewebes und der Gefäße wie Kollagenosen, Sklerodermie, Polymyositis, Dermatomyositis, Vaskulitis greifen die Bindehaut an, sodass sie mit einer Entzündung reagiert. Das schon genannte Reiter-Syndrom ist eine Bindehautentzündung beider Augen, die im Zusamenhang mit einer Harnröhrenentzündung oder einem Darminfekt auftritt. Einige Wochen später folgen Gelenk-, eventuell auch Kreuzschmerzen. Die Schmerzen rühren von Entzündungen einzelner Gelenke her. In erster Linie geht es hier um die Knie, die Sprung- und Fußgelenke, eventuell auch die Wirbel- und Kreuz-Darmbeingelenke im Lendenbereich. Manchmal entzündet sich auch das Sehnengewebe. Bei den Betroffenen findet sich häufig ein bestimmtes Blutmerkmal (HLA-B27-Antigen).

Bindehautentzündungen können auf die Hornhaut (Keratokonjunktivitis) oder die Augenlider übergreifen. Sie können auch im Rahmen anderer Augenentzündungen auftreten, bei denen zum Beispiel die Regenbogenhaut (Iritis / Iridozyklitis), die Aderhaut (Chorioiditis) oder die Lederhaut (Skleritis) erkrankt ist.

Symptome: Rötung, Jucken, Brennen, Tränenfluss, eventuell Absonderung von Schleim oder Eiter. Die vor dem Ohr liegenden Lymphknoten könen geschwollen sein. Insbesondere bei Hornhautbeteiligung ist eine Sehminderung möglich. Es können beide oder (zuerst) nur ein Auge betroffen sein. Eine chronische Bindehautentzündung geht neben den genannten Symptomen manchmal auch mit Geschwüren oder Narben- und Knötchenbildung einher.

Zur Diagnose siehe oben (Abschnitt trockenes Auge) und bezüglich Morbus Reiter unter Iritis / Iridozyklitis in diesem Artikel.

Therapie: Sie richtet sich nach der Ursache: zum Beispiel Antibiotika bei einer Infektion mit Bakterien (Anwendung am Auge) oder Chlamydien (Anwendung innerlich), antivirale Präparate bei Herpes zoster (innerlich) und Herpes simplex (äußerlich), gezielte haut- oder augenärztliche Maßnahmen bei Liderkrankungen (örtliche oder innerliche Anwendung), antirheumatische Therapie bei rheumatischen Erkrankungen (Facharzt für Rheumatologie, in Abstimmung mit dem Augenarzt), antiallergische Therapie (am Auge in Form von Tropfen) und, falls möglich, Allergenmeidung bei Allergien, augenärztliche Maßnahmen bei korrigierbaren Veränderungen, zum Beispiel Lidfehlstellungen. Zum trockenen Auge siehe oben.


Hornhautentzündung (Keratitis)

Wie die Augenlinse ist die ihr vorgeschaltete, normalerweise glasklare Hornhaut ein lichtbrechendes Augenmedium. Erkrankt sie, kommt es neben Schmerzen und anderen Symptomen auch zu Sehstörungen.

Hornhautentzündungen sind häufig durch Infektionen, seltener durch andersartige Erkrankungen (siehe unten) bedingt. Die verantwortlichen Erreger überschneiden sich teilweise mit denjenigen von Bindehautentzündungen. Insgesamt ist das Spektrum groß, wobei Bakterien mit weitem Abstand überwiegen. Infrage kommen aber auch Viren,   darunter Herpes-Viren (Herpes simplex, Herpes zoster). Finden Erreger kleine, oberflächliche Verletzungen der Hornhaut (Erosionen) vor, siedeln sie sich dort leicht an, falls das Auge nicht geschützt wird. Infektionen können auch von den Augenlidern oder der Bindehaut auf die Hornhaut übergreifen.

Neben Infektionen sind noch zahlreiche andere Urschen von Hornhautentzündungen bekannt. Die Liste umfasst Fehlstellungen der Lider mit unvollständigem Lidschluss und das trockene Auge (siehe oben), Lidrand- und Tränendrüsenentzündungen, Haut- und Lidhauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis), Rosazea und Neurodermitis (atopisches Ekzem), aber auch Allgemeinerkrankungen wie Diabetes, rheumatische Erkrankungen, Bindegewebs- und Gefäßerkrankungen (Kollagenosen und verschiedene Vaskulitis-Formen). Ebenso natürlich Verletzungen, auf die hier nicht näher eingegangen wird. Schließlich führt auch ausgeprägter Vitamin-A-Mangel zu Hornhautschäden.

Je nach Ursache und Wirkeintritt der Therapie verlaufen Hornhautentzündungen ganz unterschiedlich. Sie können oberflächlich bleiben, sich bis zur Lederhaut ausdehnen, schlimmstenfalls auch in die Tiefe vordringen, ins Augeninnere durchbrechen (Perforation, Entzündung des Augenninnenraums, Endophthalmitis) und zum Verlust des Auges führen. Rechtzeitige Therapie kann solche dramatischen Verläufe heute oft verhindern. Da die Hornhaut normalerweise frei von Gefäßen ist, laufen Entzündungen im Rahmen von Systemerkrankungen eher am Rand ab, da hier Kontakt zu angrenzenden Gefäßgebieten besteht. Erregerbedinge Infektionen bevorzugen dagegen meist die Hornhautmitte. Als erstes bildet sich eine Trübung. Die Trübung kann zu einem Geschwür fortschreiten. Dieses kann sich auch sehr schnell bilden, oder es kommt zu einer Einschmelzung.

Symptome: Hornhautentzündungen sind äußerst schmerzhaft. Zugleich besteht ein Lidkrampf (Blepharospasmus) und es kommt zu Sehstörungen. Das Auge ist durch die oft begleitende Bindehautentzündung deutlich gerötet, es tränt und sondert ein wässriges, schleimiges oder eitriges Sekret ab. Meist ist schon bei einfacher Beleuchtung ein Infiltrat (unscharf begrenzter, grau-weißer Fleck) oder ein Geschwür erkennbar. Abgeheilte Hornhautentzündungen hinterlassen gerne Narben, oder es bilden sich auf der Hornhaut neue Gefäße (Neovaskularisation), die dort eigentlich nichts zu suchen haben. Denn sie stören die Transparenz der Hornhaut und damit fortan auch das Sehen.

Diagnose: Bei der Untersuchung mit der Spaltlampe sieht der Augenarzt die Details der Hornhaut genau. In der Regel entnimmt er entzündliches Material zur mikrobiellen Untersuchung (Erregernachweis). Unter Umständen sind auch gewebliche Untersuchungen oder detaillierte Analysen im Hinblick auf Genmaterial von Erregern geboten.

Therapie: Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Bei bakteriellen Entzündungen ist intensive Anwendung von Augentropfen mit Antibiotika notwendig, bei Herpes-Erkrankungen eine antivirale Behandlung. Der Augenarzt entscheidet auch, ob hier zusätzlich Kortisontropfen notwendig sind. Augenschmerzen lassen sich kurzfristig durch örtlich betäubende Tropfen lindern. Bei Vereiterungen sind kleinere, entlastende Eingriffe, bei Komplikationen weitere Eingriffe wie eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik) und Maßnahmen zur verbesserten Benetzung (Korrektur von Lidfehlstellungen) angezeigt. Krankhafte Gefäßneubildungen können theoretisch durch spezielle Medikamente blockiert werden (Antiangiogenese), doch ist diese Therapie im Falle der Hornhaut noch nicht amtlich zugelassen.

Lidhaut- und Lidrandentzündung

Ganz grob kann man Lidschwellungen danach unterschieden, ob sie entzündlich oder nicht entzündlich bedingt sind. Im Hinblick auf das rote Auge sind natürlich vor allem die entzündlichen Ursachen relevant.

Wie bei vielen anderen Symptomen gibt es insgesamt zahlreiche Ursachen und dementsprechend auch die unterschiedlichsten Behandlungswege. Vorrangig geht es hier um entzündliche Hauterkrankungen, die auch das Lid und oder den Lidrand miteinbeziehen (sogenannte okulo-dermale Erkrankungen). Bekannte Beispiele reichen von der Neurodermitis (atopisches Ekzem) über das Gerstenkorn bis hin zu Allergien und Infektionen. Wenn die Bindehaut bei einer Lidhaut- oder Lidrandentzündung mitreagiert, rötet sich das Auge auch innen unter den Lidern, im Bereich der Bindehaut. Mehr zu Liderkrankungen unter Lidschwellung.

Lederhautentzündung (Skleritis, Episkleritis)

Entzündungen der Lederhaut und der Episklera (liegt zwischen Lederhaut und Bindehaut) sind vergleichsweise selten. Einiges haben sie gemeinsam, doch es gibt auch große Unterschiede.


Die Skleritis ist eine potenziell das Sehvermögen bedrohliche Augenerkrankung. Sie verläuft chronisch und in Schüben. Die Betroffenen leiden zur Hälfte an einer schweren Systemerkrankung, am häufigsten einer rheumatiden Arthritis. Es kommen aber auch Gefäßentzündungen wie Morbus Wegener und zahlreiche andere Systemerkrankungen als Begleit- oder bahnende Erkrankung infrage. Manchmal geht der Erkrankung ein Herpes zoster des Auges (Zoster opthalmicus) voraus. Die Episkleritis verläuft meist günstiger, kann sich sogar spontan zurückbilden und ist seltener an Systemerkrankungen gekoppelt. Frauen sind von beiden Erkrankungen häufiger betroffen als Männer. Die Episkleritis tritt eher im jüngeren Alter, die Skleritis etwa ab der Lebensmitte auf.

Symptome: Die Skleritis geht mit einem bohrenden, sich innerhalb von Tagen entwickelnden, extrem unangenehmen Schmerz im Auge einher, der in die Augenhöhle und in die Umgebung ausstrahlt (Gebiet des ersten Astes des Trigeminus-Nervs; siehe auch Gesichtsschmerzen). Das Auge ist außerdem sehr druckschmerzhaft, es tränt und ist lichtscheu. Es wirkt bei Tageslicht bläulich-dunkelrot verfärbt. Das Befinden ist stark beeinträchtigt. Die Skleritis des vorderen Anteils der Lederhaut wird in verschiedene Formen eingeteilt. Bei der sogenannten nekrotisierenden Form kann sich eine ausgeprägte Uveitis entwickeln, die Hornhaut kann miterkranken, ein Geschwür kann sich entwickeln, bis hin zum Durchbruch. Ohne Behandlung ist das Sehvermögen, schlimmstenfalls sogar der Augapfel in Gefahr. Erkrankt der hintere Anteil der Lederhaut (posteriore Skleritis), kann das Krankheitsheitsbild eine Schwellung oder Geschwulst in der Augenhöhle nachahmen, unter anderem weil die begleitende Bindehautschwellung das Auge vorwölbt.

Bei einer Episkleritis ist das Auge ebenfalls gerötet, oft aber „heller“ und nur in einem bestimmten Abschnitt der Lederhaut. Es besteht eher ein Brennen als ein Schmerzen. Manchmal ist die Erkrankung auch schmerzlos.

Diagnose: Der Augenarzt kann die Diagnose oft schon bei Betrachtung des erkrankten Auges bei Tageslicht stellen. Die Untersuchung an der Spaltlampe dient der genaueren Beurteilung der vorderen Augenabschnitte. Vermutet er eine Skleritis, wird er immer eine rheumatologische Untersuchung veranlassen. Wenn eine posteriore Skleritis nicht sicher von anderen Erkrankungen der Augenhöhle abgrenzbar ist, kann ein bildgebendes Verfahren weiterhelfen.

Therapie: Leichtere Formen einer Skleritis können eventuell mit nicht steroidalen Antirheumatika (entzündungshemmenden Medikamenten, innerlich über einen längeren Zeitraum angewendet) behandelt werden. Schwere Formen bedürfen der Einnahme von Kortison oder Immunsuppressiva, also Medikamenten, die die Immunabwehr unterdrücken. Diese Therapie erfolgt in enger Abstimmung mit dem Rheumatologen. Die Episkleritis heilt meistens spontan aus. Bei stärkerer Ausprägung ist ebenfalls die Einnahme eines nicht steroidalen Antirheumatikums sinnvoll.

Iritis / Iridozyklitis (vordere Uveitis)

Die Uvea ist die mittlere Augenhaut. Sie umfasst die Regenbogenhaut, den Ziliarkörper (enthält als Anteil den Ziliarmuskel für die Linsenwölbung, Akkomodation), der das Kammerwasser bildet, und die Aderhaut.

Bei der vorderen Uveitis handelt es sich um eine Entzündung der Regenbogenhaut (Iritis) und des Ziliarkörpers (Zyklitis). Die Iris oder Regenbogenhaut bildet die Pupille und verleiht dem Auge seine Farbe. Da sie sich in den Strahlenkörper fortsetzt, betreffen Entzündungen meist beide Anteile (Iridozyklitis).

Eine Uveitis kann die verschiedensten immunologischen und infektiösen Ursachen haben. Bei einem immunologischen Hintergrund kann das Auge ohne oder zusammen mit einer körperlichen Systemstörung erkrankt sein: zum Beispiel bei Morbus Bechterew (Leitsymptom: nächtliche Rückenschmerzen), Morbus Reiter oder auch der Schuppenflechte (Psoriasis; bei begleitender Gelenkentzündung spricht man von Psoriasisarthritis) oder bei Morbus Crohn, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Beim Heerfordt-Syndrom entzünden sich Tränen- und Ohrspeicheldrüsen chronisch. Das Syndrom ist die Sonderform einer Bindegewebserkrankung namens Sarkoidose. Am Auge kommt es außerdem zu einer vorderen Uveitis (weitere siehe unten). Infektiöse bakterielle Ursachen sind eher selten. Infrage kommen unter anderem eine Brucellose, Borreliose, die inzwischen seltener gewordene Tuberkulose, eine Leptospirose oder auch eine Listeriose. Als Viren sind wiederum oft Herpes simplex oder Herpes zoster im Spiel. Mögliche Folgen einer Iridozyklitis können Trübungen der Linse und des Glaskörpers im Auge und ein entzündlich bedingtes, also sekundäres Glaukom sein (vgl. Sehstörungen, Punkte 5 und 8).

Symptome: Bei einer Iritis /Iridozyklitis ist das Auge gerötet. Durch die gestörte Akkomodation verschlechtert sich das Nahsehen. Die ebenfalls beeinträchtigte Pupillenreaktion (träge reagierende, enge Pupille) kann Lichtscheu verursachen. Auch entzündlich verändertes Kammerwasser wirkt sich auf das Sehen aus. Oft besteht ein dumpfer Schmerz. Ein Heerfordt-Syndrom ist zusätzlich durch Fieber und Gesichtslähmungen gekennzeichnet.

Diagnose: Der Arzt untersucht die Augen. Der Rheumatologe wird verschiedene Blutanalysen empfehlen. Dazu gehört bei vermutetem Morbus Bechterew oder Morbus Reiter der Test auf das Blutmerkmal HLA-B27-Antigen. Auch Röntgenuntersuchungen können die Diagnose stützen. Bei Morbus Reiter können Untersuchungen des Urins und Stuhles auf Erreger wie Yersinien, Campylobacter, Salmonellen, Shigellen und Chlamydien die Diagnose sichern helfen, da ein entsprechender Darm- oder Harnröhreninfekt die Erkrankung zur Folge haben kann. Häufig kommen bei diesem Krankheitsbild neben der Gelenkbeteiligung (reaktive Arthritis) auch Aphthen in der Mundschleimhaut und Hautausschläge vor. Betroffen sind häufiger junge Männer.

Steht eine andere bakterielle Ursache im Raum, zum Beispiel im Zusammenhang mit häufigen Tierkontakten (Brucellose, Leptospirose), können unter anderem entsprechende Antikörperbestimmungen im Blut die Diagnose sichern helfen.

Therapie: Gemäß Diagnose bzw. Erregernachweis. Bei einer immunologischen Systemerkrankung als Hintergrund ist eine innerliche antirheumatische bzw. immunsuppressive (immununterdrückende) Behandlung notwendig. Bei Morbus Reiter kommen Entzündungshemmer infrage, während eine antibiotische Therapie, die hier über eine längere Zeit stattfinden müsste, umstritten ist.


Glaukom bedeutet eine fortschreitende Schädigung des Sehnervs am Augenhintergrund. Hauptursachen sind ungünstige Druckverhältnisse im Auge oder eine verschlechterte Durchblutung.

Der Glaukomanfall entspricht einem akuten Winkelblockglaukom. Er ist ein absoluter Notfall. Auslöser können zum Beispiel plötzliche Pupillenerweiterungen sein, etwa bei Angst, Schreck oder in der Dunkelheit. Dadurch verengt sich der Winkel am Rand der vorderen Augenkammer akut. Auch Medikamente können einen akuten Glaukomanfall provozieren, beispielsweise bestimmte Antidepressiva, Antihistaminika (Antiallergika, Mittel gegen Allergien, etwa Heuschnupfen) oder Medikamente zur Behandlung von Schwindel. Das Auge ist erheblich gerötet und extrem schmerzhaft. Schon im Vorfeld können starke Kopfschmerzen einsetzen. Während des Anfalls, der von Übelkeit und Erbrechen begleitet sein kann, dehnen sie sich manchmal auf der „kranken“ Seite bis zum Bauch aus. Die Betroffenen haben Sehstörungen. Beispielsweise nehmen sie bei Dunkelheit farbige Ringe um Lichtquellen wahr, und das Sehen ist verschwommen. In dieser Notfallsituation muss umgehend der Augenarzt gerufen werden, um den Augeninnendruck zu senken.


Zum Schluss noch ein paar Tipps für gesunde Augen:

  • Raumluft ausreichend feucht halten
  • viel ins Freie gehen und sich körperlich bewegen
  • Alkohol und Zigaretten meiden
  • Bildschirmarbeitsplatz ergonomisch gestalten: richtige Sitzhöhe, korrekte Positionierung des Bildschirms mit individuell passender Helligkeitsstufe
  • den Augen häufige Pausen gönnen, damit der Lidschlag oft genug stattfinden kann
  • genügend trinken, etwa zwei bis drei Liter pro Tag
  • Augen ab 40 Jahren (wenn keine Besonderheiten vorliegen, sonst natürlich früher) regelmäßig vom Augenarzt kontrollieren und alle ein bis zwei Jahre eine Glaukomfrüherkennung durchführen lassen
  • gesunder Lebensstil mit einer frischen, vitaminreichen Ernährung (reichlich grünes Gemüse, viel Obst) und Normalgewicht hilft, dem Bluthochdruck und der Zuckerkrankheit vorzubeugen. Das schützt auch die Augen
  • guter Lichtschutz für die Augen und die Haut von Kindesbeinen an

Wichtiger Hinweis:

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Informationen und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



Dr. med. Claudia Osthoff / www.apotheken-umschau.de; 16.04.2009, aktualisiert am 30.01.2012
Bildnachweis: Jupiter Images GmbH/Bananastock

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Bitte beachten Sie!

Dieses Informationsangebot ersetzt keinen Arztbesuch. Bei unklaren Beschwerden sollten Sie stets Ihren Arzt konsultieren. Lesen Sie hier mehr dazu »

Symptome-Finder

Aktuelles

Tipps gegen trockene Augen

Warum der Tränenfilm das Auge manchmal nicht ausreichend befeuchtet und was hilft »

Die typischsten Schwimmbad-Krankheiten

Wie Sie roten Augen und Infektionen vorbeugen, was gegen die Beschwerden hilft »

Alle Symptome von A bis Z

Suchen Sie hier nach Symptomen und ihren Ursachen alphabetisch von A bis Z. Beachten Sie bitte auch den Hinweis rechts  »

© Wort & Bild Verlag GmbH & Co KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Senioren Ratgeber mit Informationen rund um Krankheiten, Medikamente, gesund alt werden, altersgerechtes Wohnen, Pflege und Finanzen
Diabetes Ratgeber mit den Schwerpunkten Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung