Gelenkverletzung, bei der die durch ein Gelenk verbundenen Knochenenden ihren Kontakt verlieren und in eine Fehlstellung geraten. Die Trennung kann vollständig sein (Luxation), oder die verschobenen Gelenkflächen haben noch Berührungspunkte (Subluxation). Meist zerreißen Gelenkkapsel und Bänder, und die knorpeligen Gelenkflächen werden beschädigt. Auch Nerven und Blutgefäße können in Mitleidenschaft gezogen werden.
Ursache: Die traumatische Verrenkung wird durch starke Gewalteinwirkung verursacht. Auslöser können z. B. ein Sturz oder ein starker Zug am Gelenk sein (z. B. Ellenbogenverrenkung). So ist die v. a. bei Kleinkindern auftretende Chassaignac-Lähmung durch ruckartiges Ziehen am Arm bedingt. Die habituelle (gewohnheitsmäßige) Verrenkung passiert ohne ein adäquates Trauma (z. B. beim Anziehen des Mantels) und ist entweder die Folge einer vorausgegangenen, schlecht verheilten Verrenkung, oder sie beruht auf angeborenen Gelenkveränderungen (z. B. Kniescheibenverrenkung) oder Bandschwächen (z. B. einer zu kleinen Gelenkpfanne). Bei der chronischen (spontanen) Verrenkung besteht eine erhöhte Verrenkungsgefahr aufgrund chronischer Gelenkschäden, z. B. bei chronischer Polyarthritis. Die angeborene Verrenkung besteht bereits bei der Geburt und entsteht in Zusammenhang mit einer Hüftdysplasie.
Befund: Die Verrenkung verursacht heftige Schmerzen, Schwellungen, einen Bluterguss und eine Fehlstellung. Der Betroffene nimmt eine Schonhaltung ein. Im Röntgenbild sind die abnorme Lage des Gelenkkopfes und die leere Gelenkpfanne sichtbar.
Behandlung: Bis zur ärztlichen Versorgung sollte das Gelenk (in der falschen Lage) ruhig gestellt und möglichst wenig bewegt werden. Man sollte nicht versuchen, das Gelenk einzurenken, da eine große Gefahr für Verletzungen von Knochen, Bändern, Nerven und Blutgefäßen besteht, die zu einer bleibenden Einschränkung des Gelenkes führen können. Die Einrenkung (Reposition) sollte innerhalb von wenigen Stunden erfolgen und wird meist in Vollnarkose durchgeführt. Gelingt die Reposition nicht oder sind Bänder und Knochen verletzt, ist eine Operation notwendig. Das Gelenk wird bis zur Verheilung ruhig gestellt, um wiederkehrende Verrenkungen zu vermeiden. Bei habituellen Verrenkungen ist eine operative Korrektur der Gelenkveränderung notwendig, da sonst immer wieder Verrenkungen auftreten.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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