Gicht ist eine Stoffwechselstörung, bei der sich die Harnsäurekonzentration im Blut erhöht. So bilden sich Harnsäurekristalle (Urat-Kristalle), die sich in Gelenken, Schleimbeuteln, Sehnen, in der Haut und im Ohrknorpel ablagern. Heftige Gelenkentzündungen und Gelenkschäden können entstehen. Auch in der Niere setzen sich die Kristalle ab. Bleibt die Gicht unbehandelt, kommt es leicht zu Nierensteinen und Nierenschäden.
Extrem heftige Schmerz-Attacken prägen den Beginn der Erkrankung und – ohne geeignete Therapie – auch den weiteren Verlauf. Oft ist beim akuten Gichtanfall als erstes die große Zehe, genauer das Großzehen-Grundgelenk, betroffen. Direkter Auslöser der Schmerzattacke ist nicht selten ein üppiges Mahl oder reichlicher Alkoholgenuss.
In Blutuntersuchungen lassen sich erhöhte Harnsäurespiegel aufdecken. Die richtige Ernährung, eine gesunde Lebensweise und Medikamente helfen, die Harnsäurewerte zu senken, Gichtattacken vorzubeugen und Komplikationen zu vermeiden, die bei chronischer Gicht drohen.
Etwa 80 Prozent der Gichtpatienten sind Männer. Die Krankheit trifft sie meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr, selten in jüngeren Jahren. Frauen bekommen eine Gicht üblicherweise nicht vor Einsetzen der Wechseljahre. Offenbar bieten die weiblichen Geschlechtshormone bis zu diesem Zeitpunkt einen gewissen Schutz.
Bei den meisten Gichtkranken besteht eine angeborene Neigung zu einem erhöhten Harnsäurespiegel. Verschiedene Auslöser begünstigen jedoch den Ausbruch der Gicht, darunter Krankheiten, Medikamente, aber auch eine ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht. Die Störung wird daher oft als "Wohlstandskrankheit" bezeichnet.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth ist Facharzt für Orthopädie
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Gichtknötchen (Tophi) entstehen durch Ablagerungen von Natrium-Urat-Kristallen (Urate sind Harnsäure-Salze) an Gelenken, Knorpeln und Sehnen, wenn die Harnsäure-Werte im Blut hoch sind. Oft schmerzen sie nicht. Eine gezielte Vermeidung dieser Tophi ist durch eine Normalisierung des Harnsäure-Blutspiegel möglich. Dabei spielt die Ernährung eine wesentliche Rolle: Sie sollte purinarm sein. Purine sind Bestandteil aller Zellen und werden im Körper zu Harnsäure abgebaut. Reichlich enthalten sind Purine in Fleisch und Fisch, Erbsen, Linsen und Bohnen. Zurückhaltung beim Alkoholkonsum und der Abbau von Übergewicht sind weitere vorbeugende Maßnahmen gegen solche Gichtknötchen. Zur medikamentösen Behandlung ist das Medikament Allopurinol nach wie vor die erste Wahl. Es greift in die Bildung der Harnsäure ein. Alternativ dazu wird auch Benzbromaron eingesetzt, das die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren steigert. Bei Patienten, die an einem Nierenschaden leiden, muss die Behandlung der Gicht beim Facharzt für Nierenkrankheiten (Nephrologe) erfolgen.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Eine operative Verkleinerung der Tophi (Gichtknoten) gilt heute als überholt. Durchgeführt wird eine solche Operation nur, wenn solche Knoten im Wirbelkanal entstanden sind und auf das Rückenmark drücken oder im sogenannten Karpaltunnel unter der Handinnenfläche den Medianusnerv einengen. Darüber hinaus gibt es operative Möglichkeiten, deformierte Gelenke in ihrer Stellung zu korrigieren und ihre Funktion zu verbessern.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
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Für die Diagnose ist eine Entnahme von Gelenkflüssigkeit nicht zwingend. Dafür reicht nahezu immer die Beschreibung der Beschwerden und wie sie sich entwickelt haben. Meist handelt es sich um eine hochakute schmerzhafte Gelenkschwellung, zum Beispiel nach übermäßigem Alkohol- oder Fleischgenuss am Vortag. Zudem ist ein Anstieg der Harnsäurekonzentration im Blut feststellbar, und an den geschwollenen Gelenken zeigen sich Gichtknoten (sogenannte Tophi). Die Punktion eines Gelenkes wird meist erfolgen, um dieses zu entlasten. Der Nachweis von stäbchenförmigen Harnsäure-Kristallen im Erguss unterstützt dann die Diagnose.Für die Diagnose ist eine Entnahme von Gelenkflüssigkeit nicht zwingend. Dafür reicht nahezu immer die Beschreibung der Beschwerden und wie sie sich entwickelt haben. Meist handelt es sich um eine hochakute schmerzhafte Gelenkschwellung, zum Beispiel nach übermäßigem Alkohol- oder Fleischgenuss am Vortag. Zudem ist ein Anstieg der Harnsäurekonzentration im Blut feststellbar, und an den geschwollenen Gelenken zeigen sich Gichtknoten (sogenannte Tophi). Die Punktion eines Gelenkes wird meist erfolgen, um dieses zu entlasten. Der Nachweis von stäbchenförmigen Harnsäure-Kristallen im Erguss unterstützt dann die Diagnose.
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Roth
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13.09.2005, aktualisiert am 06.02.2012
Bildnachweis: Prof. Manger, Universität Erlangen, W&B/Jörg Neisel
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